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"Die Rache des Analogen" - Das Notizbuch schlägt zurück

Ein Sachbuch von David Sax. Von der Schallplatte bis zum echten Buch, die digitale Welt kann nicht alle Sehnsüchte erfüllen. David Sax hat mit "Die Rache des Analogen" ein leidenschaftliches Plädoyer für die realen Dinge des Lebens geschrieben.

Ausgerechnet im Silicon Valley, wo der Siegeszug des Digitalen gepredigt wurde, hält jetzt das Analoge Einzug. Manager des Softwareunternehmens Adobe meditieren vor einer Fototapete mit Waldmotiv. Hightechfirmen machen ihre Büros zu Begegnungsstätten, wo statt Displays Whiteboards hängen und Stifte ausliegen. Und der Digital-Dienst Evernote, spezialisiert auf die papierlose Verwaltung, stellt gemeinsam mit Moleskine Notizbücher her. Für den kanadischen Journalisten David Sax kommt diese Wendung nicht überraschend. Erst jetzt, da die Digitalisierung die Gesellschaft prägt, könne man überhaupt erkennen, was an ihr gut ist und was schlecht. Deshalb kommt das Digitale auch erst jetzt auf den Prüfstand und wird dort wieder abgeschafft, wo es die Erwartungen nicht erfüllt. Sax nennt diesen Bewusstseinswandel die "Rache des Analogen"; Rache deshalb, weil Technologien und Praktiken, die in der Digital-Euphorie für tot erklärt wurden, im Verborgenen weiterlebten und nun ihr Comeback feiern.

"Postdigitale Wirtschaft"

Und zwar so stark, dass Sax sogar eine "postdigitale Wirtschaft" im Entstehen sieht. Im Musikbusiness, in der Fotografie, bei Freizeitspielen oder bei Notizbüchern – überall klettern die Umsatzzahlen wieder nach oben. Knapp eine Million Vinylplatten gingen 2007 in den USA über den Tisch. 2015 waren es schon mehr als zwölf Millionen. Auch das analoge Filmgeschäft läuft wieder. 100 Millionen 35-mm-Filmrollen wurden 2015 weltweit verkauft.

Da das Digitale so präsent ist, lernen wir das Analoge wieder schätzen, begründet Sax die Hinwendung zu haptischen Erlebnissen. Außerdem würden analoge Ansätze oft auch besser funktionieren. In Nashville bei United Record, bei FILM Ferrania und Moleskine in Italien – überall trifft der Journalist auf Manager, die schildern, wie sie ein Stück (analoge) Gestaltungsfreiheit und menschliches Miteinander zurück auf den Markt brachten. Man fühle sich wie am Lagerfeuer, wenn die Schallplatte läuft oder: Handgeschriebene Notizen könne man sich einfach besser merken, heißt es.

 

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